Weiße Weihnacht


Kindheitserinnerungen. Es ist Dezember. Es ist schon lange dunkel draußen. Trotzdem stehe ich staunend am Fenster und betrachte die dicken weißen Flocken, die von den Wolken herabschweben. Sanft, sie fliegen im Wind, schaukeln links und rechts. Ein wunderschönes, friedliches Bild, gezeichnet vom Wetter. Ich kann es kaum erwarten, hüpfe voller Vorfreude ins Bett zum Schlafen und um am nächsten Tag im Schnee zu spielen.


Es ist Wochenende. Die Sonne schickt ihre Strahlen durch mein Fenster und obwohl die Sonne so schön scheint, schneit es weiter dicke Flocken vom Himmel. Ich laufe die Treppe nach unten und schlüpfe in meine Stiefel. Die Winterjacke vom Haken, Mütze und Handschuhe und hinaus in den Schnee. Die Flocken schweben immer noch sanft hinab, sie schaukeln im Wind und sinken langsam auf die schneebedeckte Erde. Ich springe in die dicke Schneeschicht und wirble den Pulverschnee auf. Ich werfe mich hinein und mache einen Schneeengel- eine Szene, wie aus dem Drehbuch.

Meine Schwester steht am Fenster und sieht mir mit großen, glänzenden Augen zu. Ich winke ihr und deute ihr an, ebenfalls nach draußen zu kommen. Sie nickt und steht kurz darauf ebenfalls im Pulverschnee. Wir strahlen mit der Sonne um die Wette, tanzen mit den Schneeflocken.
Es ist kurz vor Weihnachten. Unser Haus ist geschmückt mit großen und kleinen Engelchen. Ein wunderschöner, rot dekorierter Adventskranz steht vor unserem großen Fenster. Eine Lichterkette aus Schneeflocken hängt am Fenster und taucht abends unser Wohnzimmer in ein wunderschönes Licht. Kindheitserinnerungen.
Auch heute noch schmücken wir gemeinsam unser Haus. Mit Engeln, Lichterketten, dem Adventskranz und später dem Christbaum.
Ich liebe Weihnachten jedes Jahr mehr. Nicht wegen der Geschenke, nein- ich habe sogar Probleme materielle Wünsche auf den Wunschzettel für „das Christkind“ zu notieren. Ich liebe Weihnachten wegen der Stimmung, die in der Luft liegt. Die Stimmung, kurz bevor das Schulorchester zum ersten Ton im Weihnachtskonzert ansetzt. Wenn ich aufgeregt und gespannt darauf warte, bis wir das erste Stück spielen dürfen und weihnachtliche, friedvolle Stimmung in der Kirche verbreiten.
Der Geruch von Mamas frisch gebackenen Plätzchen, der Geruch von angezündeten Kerzen, das heimische Gefühl, wenn am Hl. Abend die ganze Familie zusammenkommt- mit Mama und Papa, Oma und Opa, Cousins, Onkeln und Tanten.
Wenn alle fröhlich sind und sich lautstark unterhalten, während im Hintergrund „Stille Nacht“ spielt und unter dem Christbaum Opas Lokomotive meine kleinen Cousins jedes Jahr aufs Neue in ihren Bann zieht.
Ich liebe es, weil mir jedes Jahr mehr und mehr bewusst wird, wie glücklich ich sein kann, dass ich all diese Leute um mich habe, immer noch und noch viel länger. Das ist Weihnachten!
 
Schon lange hatten wir an Hl. Abend keinen Schnee mehr. Keine weiße Weihnacht, sondern eine eher graue. Wie gerne würde ich an Weihnachten wieder Schnee vom Himmel rieseln sehen und das Gefühl haben, das ich hier so sicher wie nirgendwo sonst bin- bei meiner Familie.
Weihnachten ist das Fest über die Freude von Christi Geburt, eine stimmungsvolle Familienfeier. Weiß symbolisiert in der Bibel die Reinheit und den Frieden- ich möchte eine weiße Weihnacht. Nicht nur mit Schnee, sondern auch mit Frieden.

Ein Weihnachten, an dem kein Krieg herrscht oder Menschen um ihr Leben bangen müssen. Ein Weihnachten, an dem Menschen auf der ganzen Welt an den Frieden glauben und denjenigen gedenken, die dieses Fest nicht mehr mitfeiern können. Eine weiße Weihnacht eben!

Liebe Grüße, Franzi


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