Die kleinen großen Monster


Es ist schon lange dunkel draußen. Der Regen klopft sanft an die Rollläden meiner Fenster und auf das Dach. Eigentlich bin ich müde und der Regen schläfert zusätzlich ein.
Es war ein schöner Tag. Kein Stress in der Schule, viele Freistunden und umso mehr Spaß mit den Freunden. Eigentlich sollte ich schlafen gehen, damit ich morgen pünktlich aufstehen kann und nicht den ganzen Tag verschlafe.
Aber da ist etwas, dass mich wachhält. Während der Himmel stetig die Tropfen auf das Dach fallen lässt und ich, gemütlich eingekuschelt in meine Bettdecke mit dem verspielten Rosenmuster, im Bett liege, kommen sie wieder.

Die kleinen großen Monster krabbeln aus ihren Verstecken, aus den finstersten Höhlen und machen sich auf den Weg. Wohin? Zu mir.
Sie kommen aus ihren Verstecken, aus ihren ekligen, dunkeln Höhlen. Sie kriechen hinaus, jetzt wo es dunkel ist und ihnen das Licht nichts mehr anhaben kann. Sie kommen. Zu mir in mein kuscheliges, gemütliches Bett, in dem ich müde und glücklich liege und mich freue, dass ich einen schönen Tag hatte. Sie kommen, die kleinen großen Monster.

Sie klettern über das Fußende des Bettes hinauf und setzen sich in meinen Gedanken fest. Sie nagen an mir und machen das Schlafen unmöglich. Die kleinen großen Monster.
Sie reden mir Dinge ein- sagen, dass ich nie gut genug sein werde. Sie sagen, dass ich nichts wert bin und, dass ich das Glück und den Erfolg nicht verdiene. Sie nagen an mir und meinen Gedanken. Sagen, dass ich das Abitur nicht schaffe, dass ich zu dick bin und dass mich so oder so keiner mag. Die kleinen großen Monster, die mir alles vermiesen können.

Aber warum? Was gibt ihnen die Macht mir alles zu vermiesen, wer gibt ihnen die Erlaubnis dazu? Die kleinen großen Monster wären nur noch klein, sie hätten keinen Einfluss auf mich- ohne diese Person.
Ohne die Person, die ihnen erlaubt, nachts, wenn das Licht schon aus ist, über das Fußende meines Bettes hinaufzuklettern und sich in meine Gedanken einzunisten. Die Person, die ihnen die Macht über mich gibt. Ohne mich.
Ich gebe ihnen die Macht, mir den Tag zu vermiesen. Ich gebe ihnen die Erlaubnis dazu, nachts aus ihren Verstecken zu kriechen und mir den Schlaf zu rauben.

Mach es besser wie ich und fang gar nicht erst an, auf deine kleinen großen Monster zu hören.
Gib deinen kleinen großen Monstern nicht die Gelegenheit aus ihren Höhlen zu kriechen und sich in deine Gedanken einzuschleichen. Höre nicht zu, wenn sie etwas sagen, schenke ihnen keine Aufmerksamkeit. Sperre deine kleinen großen Monster in eine Schublade und macht sie nie wieder auf, denn du brauchst sie nicht.

Du bist so wunderschön und einzigartig- genau so wie du jetzt vor deinem Handy oder Computer sitzt und diesen Text liest. Du bist perfekt so wie du bist. Egal wie viel du wiegst, egal ob du gut in Mathe bist oder nicht. Sei du selbst und bleib es auch- mit all deinen Talenten, Eigenschaften und Fehlern.
Gib den kleinen großen Monstern nicht die Chance, die sie gerne hätten.


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