Es war einmal...


„Es war einmal vor langer, langer Zeit...
ein kleines Mädchen mit einem großen Herz für Tiere und Menschen. Das kleine Mädchen hatte wunderschönes blondes, langes Haar und eine ausgeprägte Fantasie.
Es spielte mit, nur für sie sichtbaren, Tieren und sang Lieder in ihrer Geheimsprache. Es glaubte an Einhörner, Feen und Kobolde und war fest davon überzeugt, dass es eines Tages die Feenkönigin treffen durfte. Es liebte Geschichten aus weit entfernten Welten und träumte davon als Elbenkriegerin, mit Pfeil und Bogen auf einem Einhorn, tapfer das Reich der Elben zu verteidigen.


Das kleine Mädchen bastelte und zeichnete unheimlich gerne und verschenkte ihre Werke an ihre Familie. Wenn sie mit ihren blauen Augen eine Bitte untermalte fiel es den Menschen schwer, ihr ihre Wünsche nicht zu erfüllen und sie brauchte ihren unschlagbaren Hundeblick gar nicht erst zu benutzen.
Das kleine Mädchen lebte mit seinen Eltern am Rande einer kleinen Stadt und hatte dort alles was sie brauchte und wollte. Um das Haus herum hatten die Eltern einen Garten angelegt, damit das Mädchen auch draußen spielen konnte. Es kletterte auf den großen Baum, der im Herbst schöne Kastanien trug, mit denen das Mädchen basteln konnte. Es versuchte die Schildkröte ihres Papas mit Erdbeerstückchen zu dressieren und spielte mit ihren Freundinnen „Verstecken“.

Doch die Zeit schritt voran und die Winter zogen in das Land. Das kleine Mädchen entwickelte sich zu einer jungen Frau heran und hatte nicht mehr die Zeit sich um ihre unsichtbaren Freunde zu kümmern. Sie ging auf eine weiterführende Schule und glaubte bald nicht mehr an Feen, Elben und Einhörner. Sie vergaß ihre Geheimsprache und die besten Verstecke im Garten und investierte immer mehr Zeit in die Schule, sodass sie auch nicht mehr Basteln oder Zeichnen konnte.
Die junge Frau war kurz davor ihre Fantasie und ihre Kreativität zu verlieren als sie während den Schulferien in einem Regal, ganz weit hinten, ein Buch entdeckte.

Das Buch erzählte von längst vergessenen Legenden um Einhörner und Feen, Kobolde, Trolle und Riesen und das Mädchen erinnerte sich plötzlich zurück an ihre Kindheit- an die unsichtbaren Freunde, an das Reich der Elben und an die Feenkönigin. Die junge Frau stöberte weiter herum und fand schließlich auch ein Buch, das Anregungen zum Gestalten von Geschenken und Grußkarten gab und das Mädchen erinnerte sich auch wieder daran, wie es war zu Zeichen und zu Basteln.

Wie im Fieber fing sie an Papier zu sammeln und Inspirationen aus den Büchern zu suchen und bastelte drauf los. Die junge Frau dekorierte ihr ganzes Zimmer in frühlingshaften Grüntönen und mistete es aus, damit die Basteleien richtig zur Geltung kamen. Sie bastelte und malte, schnitt Muster und Blumen aus, schenkte einen Teil ihrer Werke ihrer Familie und behielt eben den anderen Teil für ihr Zimmer.
Die ganzen Ferien über hatte sie eine große Freude daran, ihre Kreativität wieder zu entdecken und war traurig als sich die Ferien dem Ende neigten.
Doch so rettete sie ihre Fantasie und lebt auch heute noch, wenn sie nicht gestorben ist, kreativ und glücklich am Rande einer kleinen Stadt, zusammen mit ihrer Familie, in einem Haus mit Garten.“

So oder so ähnlich könnte meine Geschichte lauten, denn als Kind war ich wahnsinnig nach Basteln, Zeichnen, nach Einhörnern und Feen. Doch, wie auch in der Geschichte, ging diese Freude an der Kreativität mit dem Gymnasium langsam aber sicher verloren, da mir einfach die Zeit fehlte. Komischerweise habe ich jetzt in der Oberstufe, trotz der ewigen Lernerei, wieder mehr Zeit zum Basteln gefunden und in den Faschingsferien mein Zimmer aufgeräumt, ausgemistet und neu dekoriert. Man findet erstaunlich viele Anleitungen und Ideen dazu im Internet (Google- das Multitalent) und ich bin froh darüber, dass ich mir die Zeit genommen habe, denn Kreativität und Fantasie sind meiner Meinung nach zwei Dinge, die man nicht verlieren sollte.


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