Das Abitur und andere Problemchen




Ich glaube es existieren genügend Youtuber, die ihre Abiturtipps und konkreten Lerntricks zum Besten geben. Allerdings habe ich das Gefühl, das keiner sich darauf konzentriert, welche Erfahrungen er oder sie damit gemacht hat. Außerdem habe ich kein Video gesehen, in dem jemand über das bayrische Abitur spricht. Deshalb wage ich einen Versuch euch meine Abiturerfahrungen näherzubringen.
Ach ja, die Facharbeit lasse ich außen vor, da seid ihr bei euren Betreuungslehrern am besten aufgehoben. Ich rate euch nur, früh genug damit anzufangen, wenn ihr Wert auf ausreichend Punkte und Zeit zum Korrekturlesen legt.

Zuerst einmal: mein Ziel war es immer, einen Einser vor dem Komma stehen zu haben, dementsprechend habe ich mich auch reingehängt und angestrengt. Das sei natürlich jedem selbst überlassen. Beispielsweise habe ich stur auf jede Klausur gelernt und nicht auf Joker und das Streichen von einzelnen Halbjahresleistungen gesetzt. Und es hat sich gelohnt, denn ich habe dadurch gut und gerne noch fünf Punkte rausgeholt, die schließlich entscheidend waren. (Ab 661 Punkten gab es den 1,9er Schnitt, ich war seeehr knapp darüber.) Ich habe auch für jede Klausur eine Zusammenfassung geschrieben, das kann ich euch nur ans Herz legen. Die könnt ihr nämlich für die Abiturprüfungen benutzen und hier enorm Zeit sparen, wenn ihr den Stoff aus zwei Jahren nicht mehr komplett kürzen müsst. Übrigens spart man so auch Motivation, die geht nämlich in der heißen Phase gerne flöten, wenn man sich vor lauter Bergen an Arbeit nicht mehr zu helfen weiß. Alle meine Zusammenfassungen habe ich in einem extra Ordner gesammelt, damit ich den Überblick nicht verliere, Ordnung ist nicht wirklich meine stärkste Disziplin.

Wenn ihr die Qualifikationsphase geschafft habt und die finalen Prüfungen vor euch wie eine kilometerhohe Mauer stehen, dann: Durchatmen und nicht abschrecken lassen! Es gibt viel genug faulere Leute, die das Abitur geschafft haben, also packt ihr das auch.
Legt euch einen Lernplan an, mit kleinen Portionen, genügend freien Tagen und Zeitpuffern. Glaubt mir, wenn ich sage, die Puffer braucht ihr, denn ab und an klappt das mit dem Lernen einfach nicht, dann ist man froh über einen Tag auf den man das ganze verschieben kann ohne in Verzug zu geraten. Schreibt euch auf, was ihr wann machen wollt. Ich habe mir jede einzelne Übung notiert und jedes noch so kleine Kapitel. Plant außerdem genügend Zeit ein, eure Zusammenfassungen nochmal durchzublättern und notfalls zu ergänzen. Nehmt euch aber weiterhin Zeit für Hobbies, Familie und Freunde, ich habe mir die Zeit nicht oft gegönnt und weiß: Ihr braucht sie und könnt sie euch locker leisten, wenn ihr ansonsten konsequent arbeitet.
Ich habe insgesamt neun Wochen zum Lernen eingeplant, d.h. vier Wochen vor der ersten Abiturprüfung begonnen. Vor dieser Zeit hätte ich zwar im Sinn gehabt neben den sonstigen Klausuren fleißig für das Abi zu lernen, allerdings ging das gründlich nach hinten los, weil ich genügend mit den Klausuren zu tun hatte.
Ein weiterer Tipp, den ich regelmäßig vergessen habe: genug trinken und Handy weg! Euer Gehirn braucht Flüssigkeit und Ablenkung schadet eurer Konzentration. Baut deshalb genügend Lernpausen ein in denen ihr ein Glas Wasser trinkt und Instagram-Stalking betreibt  und arbeitet anschließend konzentriert weiter. Googelt doch mal die „Pomodoro-Technik“, die wird von vielen empfohlen, ich habe sie aber noch nicht ausprobiert.
Was ich euch empfehlen kann sind die typischen Abiturtrainer in rot, egal ob veraltet oder neu gekauft, hauptsache ihr bekommt einen Eindruck davon, was auf euch zukommt. Ich habe in meinen Lernplan für Mathe und WR sogar eine Generalprobe integriert, d.h. ich habe eine alte Prüfung unter realen Bedingungen in der vorgegebenen Zeit zuhause bearbeitet, damit ich ein Gefühl für die Zeit bekomme.

Mein Mathelehrer hat uns damals ans Herz gelegt am Tag vor der jeweiligen Prüfung nichts mehr dafür zu tun. Also nichts mehr lernen, keine Künstler mehr googeln und keine Gleichungssysteme mehr lösen. Geht raus, lenkt euch ab und entspannt euch, hieß es zu uns. Wenn ich ganz ehrlich bin habe ich keinen Unterschied gemerkt, wenn ich am Tag davor noch einmal alles durchgegangen bin oder mich abgelenkt habe, ich habe beides ausprobiert. Das müsst ihr am besten für euch selbst entscheiden. Vergesst aber nicht, den Tag gegebenenfalls im Lernplan mit einzuberechnen, damit ihr den Überblick nicht verliert. 
Achtet auf jeden Fall darauf, früh genug ins Bett zu gehen und auch in den Prüfungen genug zu trinken. Das Frühstück hab ich leider nicht so ernst genommen, allerdings rate ich euch, die Mahlzeit nicht auszulassen – auch wenn man vor lauter Aufregung überhaupt keinen Hunger und stattdessen ein flaues Gefühl im Magen hat – der Körper braucht Energie, schließlich soll er Leistung bringen. Glaubt mir, in den Prüfungen habt ihr keine Zeit zum Essen und ein knurrender Magen ist nicht gerade förderlich für analytische Geometrie und Co.
 Macht euch nicht verrückt, fragt eure Lehrer um Rat, wenn eine Frage unklar formuliert ist. Keiner möchte euch etwas böses, im Gegenteil.

Im Nachhinein war der ganze Zirkus nicht so schlimm wie man sich das immer vorstellt. Klar, man ist aufgeregt und ist vielleicht sogar kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Man stresst sich und hat Angst zu versagen, ich kenne all diese Gefühle zur Genüge. In meinem Fall hat  aus meiner Familie keiner Druck gemacht, die einzige die mir Druck gemacht hat war ich selbst.
Macht euch deshalb bewusst, dass ihr euch selbst nur unnötig stresst und keinem etwas beweisen müsst. Letztlich müsst ihr mit eurer Leistung zufrieden sein. Klar, das Lernen ist ätzend und man möchte immer sein Bestes geben, aber ich verspreche euch:
Ihr schafft das! Wer zwei Jahre lang immer fleißig an sich und seinen Noten gearbeitet hat besteht das Abitur, so grob kann man gar nicht versagen. Ich habe es auch geschafft, also macht euch keinen Kopf!
Liebe Grüße, Franzi.

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